In einem persönlichen gehaltenden Modus wirft der Tostedter Alfred Bunk einen sehr detaillierten und umfassenden Blick auf die Situation von
Ehrenamtlichen, Flüchtlingen und die Flüchtlingspolitik. Hier geht es zum Essay “Ehrenamt und ein Land mit seinen Flüchtlingen”.

“Ehrenamt in einem Ort, in einem Land mit seinen Flüchtlingen” Alfred Bunk, Tostedt

Für nachfolgende Generationen Inhalte aus bestimmten Situationen, Gesprächen und eigenen Erfahrungen festzuhalten und weiterzugeben, das war mein Credo. Ist es nicht gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit sinnvoll, die vielfach durch überbordenden Wohlstand und überhandnehmende Ansprüche gekennzeichnet ist, Erinnerungen wach zu halten. Erinnerungen an Mangel und Zeiten, in denen Ansprüche eher ein Fremdwort waren.
Ich habe es meinem Vermögen entsprechend insofern versucht, indem ich 2013/2014 die Biografie meines fast erblindeten Vater verfasste. Er stand in seinem 99. Lebensjahr, als das Werk vollendet war. Wir waren am Ende sehr glücklich, dieses begonnen und unter nicht ganz einfachen Bedingungen schließlich noch beenden gedurft zu haben.
Zwei Jahre später wagte ich mich schließlich an ein Buch, welches Beobachtungen festhielt, auf Erfahrungen, Schilderungen oder auch Recherchen beruhte und mutige Vergleiche zog.
Beiden Werken wohnen zwei Kernthemen inne. Sie setzen sich mit Auswirkungen auseinander, die sich sowohl mit Krieg, Flucht oder Vertreibung als auch mit Neubeginn und Wiederaufbau befassten, also auch mit Betreuung, Wiedereingliederung bzw. Integration.
Ich fragte mich oft, warum mir gerade diese Schwerpunkte so wichtig erschienen?
Da sie wohl meinem Innersten, dem Tiefenbewusstsein entstammten, wurde mir ein Stück weit Vergangenheitsbewältigung ermöglicht.

Um etwa 45 Millionen Bürger – ja ca. 45 Millionen – leisten direkt oder indirekt bedeutende Beiträge zur gegenwärtigen Flüchtlingshilfe. Dieses geschieht sowohl von aktiven ehrenamtlichen Betreuern und Unterstützern als auch passiven Helfern durch ihre Steuerzahlungen in die allgemeine Staatskasse. Sie fühlen sich durch das Kanzlerinwort “Wir schaffen das” mehr oder minder stark angesprochen; manche sehen sich allerdings auch gar nicht in der Pflicht.
Eine Kardinalfrage lautet: “Warum gelingt es diesem Land um des Ganzen willen nur zögerlich, in der Flüchtlingssituation unserem Grundgesetz dem Sinne nach inhaltlich folgend, gemäß dem Asyl § 16 und Genfer Konventionen praktisch abzuwickeln?
Wir bräuchten eigentlich weder eine Dehnung noch eine Verwässerung dieses Paragrafen, sondern eine ehrliche und gerechte vollinhaltliche Anwendung durch die entsprechenden Verantwortungsträger.

Darüber hinaus scheint eine angemessene Einwanderungsregelung angemessen und sinnvoll, wie sie in zahlreichen anderen hochzivilisierten Industriestaaten Anwendung findet.
Deshalb sollte man auf Basis einer mehr unaufgeregten, sachlichen Diskussion handfeste Interessen verfolgen, die in verständliche und vor allem durchsetzbare Regeln gegossen werden. Dieses scheint mir in einem Land wie Deutschland nicht nur wirtschaftlich sondern ebenfalls politisch zumutbar, da es sich im Laufe der Zeit zu einem widerstandsfähigen und in sich ruhenden Staatsgebilde entwickelt hat. Zur langfristigen Lösung der Asylproblematik, die sich ja nicht nur als eine deutsche sondern mindestens ebenfalls als eine europäische Problemstellung darstellt, fehlen immer noch praktikablere Regeln – für Asyl als auch Einwanderung. Für beides stand bisher nur ein unzureichend definierter, zumeist schwammiger Oberbegriff Integration mit all seinen widersprüchlichen Inhalten und unterschiedlichen, teils unpraktikablen Auslegungen zur Verfügung.

Lassen Sie mich folgendes als Replik einflechten:
Vieles war und ist in der Wirtschaft importseitig hoch willkommen, wie beispielsweise Erdöl und andere Rohstoffe aus Heimatländern von Flüchtlingen zur Aufrechterhaltung ganzer Industriezweige.
Andere Güter wiederum, wie z. B. der Export von Waffen dienten zum Erhalt hiesiger Arbeitsplätze aber damit gleichermaßen auch zum Machterhalt verschiedener Despoten/Diktatoren in den Heimatländern von Flüchtlingen.
Welch eine Doppelmoral in dieser Unwucht …..und wir alle wissen es.
Welch ein Wegschauen zumindest vielfach in und von den Ländern, die durch ihre Kolonialherrschaft auch heute noch Mitverantwortung für Krieg und Flucht mittragen. Der Reichtum in manchen Industrie- oder Kolonialstaaten basiert vielfach darauf, indem sie Länder der “Dritten Welt” “ausgeplünderten” und diese teilweise völlig unvorbereitet in eine “neue Welt” entließen.

Zurück in die Gegenwart:
Die Historie unserer mit 70 Jahren noch relativ jungen Bundesrepublik war seit ihrem Beginn ganz wesentlich von unterschiedlich motivierten Einwanderungen geprägt. Diese Tatsache wurde allerdings vielfach weit hinten in einer bereits angestaubten, individuell unterschiedlichen geistigen Registratur abgelegt?

Es begann mit Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Osten, erwünschten “Gastarbeitern” aus Italien, Griechenland etc., den Boatpeoplen, Russlanddeutschen, bis zu 2,5 Millionen Balkanflüchtlingen aufgrund des Kosovokriegs, Wirtschaftsflüchtlingen und Asylbewerbern unter anderem aus Zentral- und Nordafrika, Syrien, Afghanistan, dem Irak und anderen Regionen. Viele sind zurückgegangen. Andere haben sich gut integriert. Sie leben und verdienen ihren Unterhalt als Selbstständige, oft als Kleinunternehmer, als Angestellte oder Arbeiter. Oft genug waren oder sind es Tätigkeiten, die von einheimischen Bürgern, fairerweise gesagt, manchmal nicht mehr gern ausgeübt werden wollen. So wird es sich auch in naher oder weiterer Zukunft verhalten.
Nicht nur unser Land hat sich immer noch nicht in angemessener Weise mit einem allseits klar definierten Regelwerk auf Migrationsströme eingestellt. Deutschland ist de facto zwar bereits ein Einwanderungsland und wird eines bleiben, allerdings bisher wie angeführt ohne angemessenes deutsches u/o europäisches durchsetzbares Regelwerk.
In den vergangenen 2/3 Jahren wurde in der jüngsten Migrationswelle hier zu Lande wirklich Großes geleistet. Es geschah nicht nur im großen Eingangsland Bayern sondern überall in der Republik. wo Verwaltung und Polizei in Zusammenarbeit mit ehrenamtlich tätigen Bürgern unternahmen ungeheure Kraftanstrengungen, um den gewaltigen Zustrom von Migranten letztlich geordnet und erfolgreich zu steuern.
Ohne die enormen Leistungen der ehrenamtlich tätigen Betreuer und Unterstützer, ob vor allem in den Jahren 2015 und 2016 oder anschließend bis zum heutigen Tag, wäre das landesweite Hilfssystem nicht aufrecht zu erhalten gewesen. Es wäre unweigerlich zusammengebrochen, weil die Intensität der Flüchtlingsbewegung unterschätzt wurde.
Schauen wir uns einmal nur in unserer eigenen beschaulichen Samtgemeinde um. Unglaubliche ehrenamtliche Leistungen werden mit großem Einsatz, Kraft und jeweils unterschiedlichem Vermögen auf allen Ebenen vollbracht. Ein durchaus beträchtlicher Teil der Bevölkerung nimmt es eher unbemerkt oder einfach nur so hin.
Harte und teils durchaus nervenaufreibende Tätigkeiten. Sie werden oft in einem wunderbaren ökumenischen Verbund harmonisch erbracht wird. Darauf darf unsere Gemeinde mit allen ihren Gliedern stolz sein.
Dabei sollte folgendes besonders gewürdigt werden:

Umgerechnet pro Kopf auf die Bevölkerungszahl heruntergebrochen, zählte unsere Gemeinde zu jenen Gebietskörperschaften, die in Relation mit die größte Anzahl von Flüchtlingen aufnahmen, diese betreut und da wo erforderlich und möglich auf dem Weg in die Integration begleitet. Verwaltung und ehrenamtliche Helfer ziehen zumeist an einem Strang. Dennoch gehörten oft beschwerliche, zeitraubende Wege unterschiedlicher Art zu überforderten Ämtern und eine verstärkte Wohnungssuche in einem engen Immobilienmarkt mit zu den größeren Herausforderungen. Eine weitere stellt die ehrenamtliche Unterstützung im Deutschunterricht dar. Jede bestandene Prüfung, jeder erreichte Schein, jede gefundene Wohnung, jede zusammengestellte Erstausstattung und einzurichtende Wohnung, jedes zugesagte Praktikum, jede Lehrstelle, jeder gefundene Arbeitsplatz oder gar ein sich abzeichnender Studienplatz …all das waren in der Betreuung oder Begleitung keine Selbstgänger. Aber es waren stets Gründe zur Freude der Zugewanderten und immer wieder Bestätigungen der Betreuer, Unterstützer oder Ansprechpartner für ihre erfolgreichen ehrenamtlichen Bemühungen.

Dennoch darf erwähnt werden: Wir können natürlich nicht alle, die zu uns kamen oder kommen, aufnehmen und behalten. Gesetze und Regeln müssen sowohl von Migranten als auch von den Gliedern aller politischen Richtungen und Verwaltungen befolgt und den Anwaltschaften nachvollziehbar begleitet und abgesichert werden.
Es dürften weiterhin Migranten Deutschland erreichen, weil auch fernerhin Krieg, Verfolgung und rechtlose Räume auf der Welt existieren werden. Eine geordnete Abwicklung, die sich aus der Problematik der Migration bei uns ergibt, muss einerseits gewährleistet bleiben, eine mögliche Überforderung der ehrenamtlich tätigen Seite andererseits im Auge behalten werden. Es darf keine Verwässerung der bestehenden oder adjustierten Regeln geben, um das große Ganze nicht weiter zu gefährden. So sind beispielsweise immer noch ca. 350.000 verwaltungsrechtliche Verfahren zu Asylbewerbern bei den entsprechenden Gerichten anhängig und zur Entscheidung offen. Zu viel Arbeit für die deutsche Anwaltschaft/Justiz. Für eine ungemein hilfsbereite Gesellschaft allerdings schwer vermittelbar und auszuhalten.

Die Schar der ehrenamtlichen Unterstützer wird nicht größer eher geringer. Naturgemäß zeigen sich Abnutzungserscheinungen, Kräfteverschleiß unterschiedlicher Art. Sie werden jedoch zwingend weiter gebraucht. Ein ganz bedeutender Teil der Lasten, die sich aus den Betreuungs- und Integrationsaktivitäten ergeben, müssen überwiegend nach wie vor von ihnen geschultert werden. Ihre Kräfte sind begrenzt. Die zahlreichen kleinen und großen Erfolge auf dem Wege der Betreuung und Integrationsarbeit sind es, die sich wie Lohn für eine unermüdliche Arbeit anfühlen. Das ist es, was die Unterstützer-Community aufrecht und bei der Stange hält.
Wahre Asylbewerber müssen auf eindeutigere Weise von jenen identifiziert werden, die aus i h r e r Sicht aus legitimen wirtschaftlichen Gründen kommen.
Eigentlich wollen wir keine 3-Klassen-Migranten-Gesellschaft haben. Dennoch sind verschiedene Gruppen zu berücksichtigen und entsprechend zu behandeln:
Für die einen gibt es anerkanntes Asyl mit Bleiberecht gemäß den grundgesetzlichen Vorgaben und den Bedingungen der Genfer Konventionen. Es sind jene, die wirklich vor Krieg und Verfolgung flüchten oder teilweise noch nicht wieder dorthin zurückgehen können.
Viele lernen hier erstmals Frieden und Freiheit kennen und schätzen, Werte die wir als völlig normal empfinden und leben; aber auch, dass einem hier im allgemeinen Leben nichts geschenkt wird.
Freiheit im Allgemeinen ist nämlich nichts, was einem geschenkt wird. Dafür muss man streiten, kämpfen. Für Freiheit wird weltweit immer noch gestorben, fast jeden Tag, ob weiter in Syrien, Afghanistan, im Irak oder anderswo. Unzählige Menschen sehnen sich danach, Dinge zu verändern, haben Wut auf bestehende Verhältnisse in ihren Heimatländern, üben wo möglich Widerstand gegen die dort bestehende “Ordnung”. Sie empfinden Freiheitsdrang und Sehnsucht nach Frieden, wie sie für uns längst zu selbstverständlichen Gütern geworden sind. Diese Einstellung hört man in manch intensiven und intimen Diskussionen mit Migranten und nimmt diese als Eindruck mit viel Demut nach Hause.
Der Philosoph John Stuart Mill beschrieb schon 1859 in seinem Werk “On Liberty”……”stirbt die Freiheit, wird das Leben zum Tümpel”.
Freiheit kommt nicht aus sich heraus. Sie entsteht nicht über Nacht. Sie bahnt sich an durch Taten. Und es war ebenfalls J. Stuart Mill, der schon damals die Welt als einen Ort sah, der noch viele Veränderungen und Verbesserungen braucht…bereits und damals schon vor fast 160 Jahren geahnt.
Wie sehr haben wir uns hier an die Freiheit gewöhnt, etwas vermeintlich selbstverständliches, das fast schon zu einem eigenartig glanzlosen Wort mit gänzlich unterschätztem Inhalt mutiert ist.
Es war einst ein Markenkern von den eher linken Parteiformationen. Derzeit wird dieser von einer “reell rechten” Formation eher übermütig verhunzt und verhackstückt. Im Dienst einer Art “nationalkonservativen” Revolution warnt die letztere vor Überfremdung und Unterwanderung und fällt mit Identitätsproblemen und Orientierungsverlusten auf die Nerven, mit denen das Gemeinwesen angeblich zu kämpfen hat.
Und die sogenannte Mitte wird schmaler und dünnlippiger.
Natürlich gibt es hart ausgesprochene Differenzen zu der von der Bundeskanzlerin und manchen Ministern vertretenen und zu verantwortenden Flüchtlingspolitik. Denn die Folgen der seinerzeitigen temporär ungeordneten Grenzöffnung wurden zweifellos unterschätzt.
Der entscheidende Grund für die massiven Stimmenverluste der beiden großen Volksparteien bei der Wahl 2017 schien mir nicht so sehr daran gelegen zu haben, dass die Groko eine insgesamt schlechte Regierungsarbeit leistete, mitnichten. Die schlichte Wahrheit ist eher in der seinerzeitigen Öffnung der Grenzen zu suchen. Dieser Fakt wird immer stärker wahrgenommen. Sozialer Frieden kann nur aufrecht erhalten werden, wenn sich beide politischen Blöcke der laufenden enormen Herausforderungen auf allen Gebieten bewusst bleiben. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass Betreuung sowie Integration verantwortungsbewusst und gleichzeitig zielorientiert in einem angemessenen Rechtsrahmen vonstatten gehen können.
Neben der Flüchtlingsproblematik, die vieles anderes überlagert, sollten andere historische Verdienste nicht ignoriert werden, die nicht nur unser Staatswesen betreffen.
Die Bundeskanzlerin verhinderte s o g a r nach Ansicht des ungarischen Premiers Viktor Orban Reformbestrebungen, die Europa wirtschaftlich zugrunde gerichtet hätten. Ohne sie hätten wir längst keine finanzielle Stabilität mehr in Europa. Verpflichtete sie nicht nachlässige EU-Länder dazu, ihre Hausaufgaben zu machen. Zu wenige wissen Leistungen zu schätzen, die uns alle und unser aller Zukunft so sehr angehen.
Wir sollten es unterlassen, unser eigenes Nest in Deutschland weiter zu sehr selbst zu beschmutzen. Sonst wird es irgendwann unansehnlich.

Viel wichtiger sind weitere Fragen, die Beantwortung und Lösungen verlangen; wie z. B.:
Was haben Dieselautos ggf. mit Asthma zu tun?
Was ist mit Rohstoffen, die in absehbarer Zeit zu Ende gehen?
Wie kann unser Planet bald 10 Milliarden Menschen ernähren?
Wie kann man z. B. den stark minimierten Rest der Insekten retten?
Was tun gegen die sich häufenden extremen Wetterereignisse?
Was mit Hartz IV und der Sozialhilfe, von der bald keiner mehr leben kann, und einer sich abzeichnenden Altersarmut?

Kommen wir zurück zur Flüchtlingssituation:
Der staatliche Aufwand sowie die unermüdliche ehrenamtliche Betreuung werden nicht gleich sondern hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft weitere Früchte tragen….bei denen, die sich mit allen Vor- und Nachteilen integrieren und bleiben wollen.
Vielleicht sogar auch bei denen, die kamen und aus unterschiedlichen Gründen zurückkehren müssen. Dann sind wir idealerweise als Land mit einer starken Wirtschaft nicht nur Exportweltmeister von Gütern. Wir erhalten durch die Zurückkehrenden in ihre Heimatländer eine Möglichkeit uns als Land mit Ideen zu profilieren…gespeist in einem Umfeld gelebter Demokratie, der weltweit anerkannt besten aller Staatsformen.
So können die Heimkehrenden im übertragenden Sinne als Botschafter fungieren, indem sie mitgebrachte Ideen, Friedens-, Freiheits-, Selbstbestimmungsgedanken und -wünsche hoffentlich verbreiten und leben dürfen.

Für andere wiederum benötigen wir endlich ein klar und verständlich definiertes Einwanderungsgesetz.
Das würde ehrenamtlichen Hilfsstrukturen im übrigen Entlastung verschaffen.

Schlussendlich kommen wir aber auch in zahlreichen Fällen wie gesagt um die Rückführung derer nicht herum, für die gemäß unserer gesetzlichen Grundlagen/oder gemäß ihres ungesetzlichen Verhaltens objektiv gesehen hier kein Platz sein und bleiben kann. Wer hier leben möchte, Bleiberecht erhält und bleiben möchte, verhält sich mindestens wie jeder Bundesbürger, nämlich gesetzestreu.

Migranten können unter bestimmten Bedingungen zu Bürgern werden.

Unpolitische Bürger, Linke, Konservative, Bürgerliche, Sozialisten, Piraten, Nerds…alle sollten für eine Weile vergessen, dass sie als Einzige die Wahrheit für sich gepachtet hätten. Sie alle könnten idealerweise übergeordnet zusammenhalten, diskutieren, um einen Ruck in die Politik zu bringen. Einen Konsens mit dem Ziel finden, der bedeutender ist als der ewige Glaube an die eigene Überlegenheit. In einem Moment des Unerwartbaren ließen sich oben erwähnte Fragen im Ansatz besser diskutieren, möglicherweise leichter beantworten und die laufende nationale Aufgabe der Integration u./o. Einwanderung zielgerechter zu einem für alle Seiten guten Ende führen.

Es sollte möglich werden, eine weitergehende gesellschaftliche Spaltung zu vermeiden und den bedrohlichen Schatten, der noch über der Gesellschaft liegt, wegzuziehen. Dieser manifestiert sich in dem genauso schönsten wie gefährlichsten, aus einem wahrscheinlich christlichen Impuls getätigten Ausspruch, den es durch Angela Merkel mit dem Satz “Wir schaffen das” seit langem in der deutschen Politiklandschaft nicht mehr gegeben hat. Dieser Spruch von der Bundeskanzlerin, “im Namen des Volkes” gesprochen, ein sehr großes und für sie und damit ebenfalls für uns alle bemerkenswert selbstverständliches Versprechen, dessen Auswirkungen seinerzeit unterschätzt wurden. Die inhaltliche Bedeutung konnte wohl auch deshalb nicht alltagstauglich und genügend verständlich kommuniziert werden.

Derzeit befindet sich das Land weiter in der Übergangsphase, den Inhalt des Ausspruchs “Wir schaffen das” durch gesetzliche Adjustierungen von der Möglichkeit in die Wirklichkeit zu überführen. Dementsprechend ließe sich eine gewisse spürbare Löchrigkeit oder bereits sichtbare Spaltung in der Gesellschaft entschleunigen, den notwendigen gesellschaftlichen Zusammenhalt positiv beeinflussen und eine generelle Entkrampfung der Situation erreichen.

Zahlreiche Betreuer und Unterstützer werden nach wie vor von dem Gefühl getragen, etwas tun zu müssen, etwas beizutragen, für Migranten, die nun einmal hier sind.

Verschiedene Religionsgemeinschaften suchen in Gott etwas Übersinnliches, etwas über uns Schwebendes, welches sie mit Gott, Allah, Yahwe oder mit einer anderen gleichbedeutenden Bezeichnung benennen.
Zahlreiche Mitbürger geben sich der Auffassung hin, der Glaube an den einen Gott aber mit unterschiedlichen Namen, passt nicht mehr in eine von Wissenschaft und Technik geprägte Welt. So verkommt die herkömmliche Glaubenskraft in einer sonderlichen Form von Atheismus oder mehr und mehr zum Restbestand seiner einstigen Bedeutung.
Orientierung und Sinn sucht man genauso wie Sicherheit vielfach in erfolgsbezogenem Einkommen und kontinuierlich verbesserten technischen Möglichkeiten. Religion und Atheismus scheinen wie Geschwister in der Familie unter einem Dach miteinander auszukommen. So zerfliest das Leben. Zahlreiche “Inbetweener” leben in der Schwebe, sind weder Atheisten noch besonders gläubig.

Aber in der Not scheint das Helfende doch vereint. Wir sehen es nicht nur vor Ort sondern überall im Lande.

Aus vielem, was ich versucht habe zu skizzieren, geht hervor, ehrenamtliche Betreuung mannigfacher Art bleibt vonnöten.
Weitere Helfer sind in der örtlichen Flüchtlingshilfeorganisationen und den dafür bestehenden Gremien herzlich willkommen. Es ist nicht nur zwingend notwendig, dass uns all die bereits tätigen Ehrenamtler erhalten bleiben, auch wenn sich die Container etwas leeren. Flüchtlinge müssen aus unterschiedlichen Gründen, wo gewünscht und notwendig, weiter begleitet werden. Sie brauchen Kontakte und Hilfestellung auch nach Verlassen der Containerunterkunft und dem Bezug der eigenen Privatwohnung, vor/bei Übergang ins Schulwesen, beim Gang in die Hochschule oder in das Berufswesen.
Nur dann gelingt Integration wirklich nachhaltig.
Der ökumenische Verbund, die Tostedter Flüchtlingshilfe und all ihre ungenannten Helfer verdienen wirklich allen Respekt, starke Beachtung, hohe Anerkennung für die Ausübung ihrer ehrenwerten Tätigkeit.
All die verantwortungsvoll tätigen kommunalen Vertreter mögen sich stets bewusst machen, wer einen Großteil in der Kernerarbeit im Zusammenhang mit der Betreuung und Integration leistet. Sie dürfen dieses Bewusstsein gern ein wenig offensiver in der Öffentlichkeit gebührend zum Ausdruck bringen.
Es sind begleitende, manchmal unvorhersehbare finanzielle Unterstützungen in außergewöhnlichen Fällen, auch manchen Härtefällen, neben den ehrenamtlichen Tätigkeiten, sowie üblichen geregelten Verwaltungsmaßnahmen immer mal wieder notwendig. Eine diesbezügliche Spendenbereitschaft wäre nicht nur wünschenswert sondern äußerst hilfreich. Dafür werbe ich gleichzeitig mit diesem Essay.
Betreuer und Unterstützer fühlen sich motivierter, gewertschätzter und sind dementsprechend noch besser bei der Stange zu halten. Nachstehend darf ich das steuerbegünstigte Spendenkonto der Tostedter Flüchtlingshilfe von ganzem Herzen empfehlen:

Verein zur Förderung von Zivilcourage e.V.
IBAN: DE 40 2075 0000 0090 3635 99
BIC: NOLADE21HAM
Betreff: Flüchtlingshilfe Tostedt

Immer wieder stellt sich eine Frage: “Warum nehmen die Betreuer und Unterstützer das alles auf sich”? Handelt es sich bei den betreuten Flüchtlingen doch ganz überwiegend um Menschen, die unsere Landessprache nicht sprechen und oft nicht einmal des lateinischen Alphabets mächtig sind. Sie müssen vielfach erst einmal zu Beginn der Betreuungs- und Integrationsphase u. a. aus Gesprächen mit ehrenamtlichen Unterstützern lernen und versuchen, die Denke und das Handeln einer offenen Gesellschaft zu begreifen und inhaltlich nachzuvollziehen.
Ja, es gibt sie auch, diejenigen Migranten, die vielleicht mehr Hilfe erwarten, weil sie möglicherweise falschen Informationen in ihren Heimatländern auf den Leim gegangen sind. Diese Spezies Mensch gibt es allerdings überall, auch bei uns selbst.
Die ganz überwiegende Anzahl, der in Not und Verfolgung zu uns gekommen sind, sind eher zurückhaltend, zeigen Dankbarkeit, Offenheit und Demut ob ihres Schicksals. Allerdings darf man sie gezielt auch aufklären und sinngemäß ausführen: Deutschland wendet jährlich über 20 Milliarden Euro für Betreuungs- und Integrationsleistungen auf – und – für diese Summe könnten ungefähr 8.000 Kindergärten gebaut werden.
Manch einer von uns schaut zurück in die eigene Historie. Andere sagen sich: “Ich möchte mich mit oder trotz meiner begrenzten Zeit dennoch irgendwie sinnvoll einbringen…ehrenamtlich”. Sie sehen ihre Unterstützung sinnstiftend an. Sie wollen nicht nur ausgetretene Wege beschreiten, sondern durch die eigenen Schritte etwas besonderes leisten, dabei sein, einen gesellschaftlichen Dienst erweisen,….in einer Zeit wo Not herrscht, die beherrscht werden muss. Das treibt sie um. Seien wir sehr dankbar, dass wir all diese ehrenamtlich tätigen Mitbürger haben und sie unter uns wissen.
Ihnen ist bewusst, dass eine Anfangsbetreuung in der Gesellschaft nicht “heute” anfängt und ist “morgen” bereits beendet. Sie mündet idealerweise in eine erfolgreiche Integration. Es bedeutet im Gefolge dessen, in Kontakt zu bleiben und diesen zu pflegen, damit Flüchtlinge überhaupt eine reelle Chance haben, in der Gesellschaft wirklich anzukommen. Es soll eben nicht eintreten, dass sich Parallelgesellschaften oder sogar Gegengesellschaften durch ein Wegsehen entwickeln und festsetzen. Flüchtlinge auf sich allein gestellt zu lassen, wäre genau der falsche Weg und führe zu einem Abdriften in eben diese unheilvollen “Gesellschaften”.
Der deutsche Binnenmarkt, in dem man vor Jahren sozusagen “in house” noch trefflich sein Ein- und Auskommen fand, wandelte sich zwischenzeitlich in vielen Segmenten in eine exportlastige Wirtschaft. Wir reden heute von und leben in einer globalisierten Welt am Beginn des digitalen Zeitalters. Dementsprechend verändern sich die Herausforderungen u. a. mit der Lösung des Flüchtlingsproblems. Eine wie angeführt stark fordernde nationale Aufgabe, die nur begleitend durch unterstützende, ehrenamtliche Aktivitäten gemeistert werden kann.
Menschen, die ein langes Leben voller Privilegien genießen, fühlen und werden sich ehrlicherweise eingestehen, dass es irgendwann vorbei ist damit. Das allein ist für manchen schon Impetus oder Anlass genug, anderen, in Not befindlichen zu helfen.

Was haben weltliche “Granden” letztlich davon, mit irren Kriegen, Brutalität, Boshaftigkeit oder Hass u. a. Fluchtursachen heraufzubeschwören. Das wird sich schlussendlich für sie nicht auszahlen. Auch ihr Dasein ist endlich und sie stehen dann wie alle anderen irgendwann ebenfalls ohne Kleider vor unserem höchsten Richter.

Ich danke auf diesem Weg nochmals allen Unterstützern sowie den bisherigen Käufern meines Buches “Trilogie der Schicksale Krieg, Flucht und Integration im Wandel der Zeit”. Auch die weiteren Verkaufserlöse werden ihren Weg einer Spende finden.

“Ehrenamt in einem Ort, in einem Land mit seinen Flüchtlingen” Alfred Bunk, Tostedt
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